Mundraub – Freies Obst für freie Bürger

Einen Apfel aus Nachbars Garten pflücken – ein beliebtes Kinderdelikt aus guten alten Zeiten und bis Ende 1974 vom deutschen Gesetzgeber als Mundraub geahndet. Die Nachhaltigkeitsinitiative mundraub spielt auf diesen ehemaligen Strafbestand an und bietet über die Plattform mundraub.org Obst- und Kräutersammlern die Möglichkeit, sich über frei verfügbare Leckereien auf legalen Flächen auszutauschen. Zusammen mit dem Nachhaltigkeits- und Ideenportal smarticular.net hat die Initiative kürzlich das Buch „Geh raus! Deine Stadt ist essbar“ veröffentlicht, das eine Übersicht heimischer Bäume, Sträucher und Kräuter liefert, die man selbst in der Großstadt finden kann. Dazu gibt es jede Menge Rezepttipps.

mundraub – die Plattform, die Menschen mit Bäumen verbindet

Seit 2010 gibt es sie – die Plattform mundraub.org, die schon häufig Erwähnung und Lob in Medien und Politik erfuhr und vielleicht dem einen oder anderen von euch schon begegnet ist. Das Motto und die Mission: Wir verbinden Mensch mit Obstbäumen. Wie das geht? Ganz einfach. Schaut man auf die Karte auf der Internetsite, kann man genau sehen, was in der Nähe alles so Essbares wächst. Verschiedene Sorten Obstbäume und -sträucher, Nüsse sowie Kräuter sind verzeichnet. In Deutschland finden sich die mit Abstand meisten Einträge, doch selbst bis Neuseeland oder Brasilien haben eifrige Mundräuber Gutes entdeckt, dass sich zu ernten lohnt. Um eigene Entdeckungen einzutragen, muss man sich bei mundraub registrieren. Natürlich darf man nicht Nachbars Garten eintragen, die angegebenen Bäume und Pflanzen müssen auf Gelände der Allgemeinheit liegen oder die Eintragung muss von den Besitzern genehmigt worden sein.

Neben den persönlichen Streifzügen ermöglicht Mundraub seinen Usern aber auch Gemeinschaft in der gemeinsamen Leidenschaft des Sammelns. Die knapp 60.000 Mundräuber sind in derzeit 130 Gruppen organisiert, starten Aktionen (Workshops, Ernteaktionen, Ausflüge usw.) und gehen zusammen auf die sogenannten Mundraub-Touren (in Berlin und Leipzig). Darüber hinaus bekommt man viele weiterführende Infos auf der Homepage und im angegliederten Blog. Wer noch mehr Ideen sucht, was man mit den geernteten Schätzen alles machen kann, der sollte sich mal auf smarticular.net umschauen. Das Portal, das eng mit Mundraub zusammenarbeitet, gibt nützliche Tipps zu allen Lebensbereichen, seien es Haushalt, Kinder oder Garten. Ein Schwerpunkt ist dabei auch das Thema Zero Waste und Plastikvermeidung. Da ist man als Mundräuber doch klar im Vorteil: Eine Plastiktüte für das geerntete Obst braucht nun wirklich niemand mehr!

Buchtipp: Geh raus! Deine Stadt ist essbar

Das Buch „Geh raus! Deine Stadt ist essbar“, das im September 2017 erschienen ist, bündelt das Wissen von Mundraub. Zwar gibt es keine Karte – das würde in Buchform ja auch wenig Sinn machen. Doch man erfährt alles zu den Pflanzen, die zu sammeln es sich lohnt. Daneben gibt es viele Rezeptanregungen, was man mit den zum Teil doch etwas in Vergessenheit geratenen Obst- und Kräutersorten alles anstellen kann. Jede der 36 Pflanzen ist ausführlich beschrieben, damit man sie auch ja nicht verwechselt. Viele Bilder und eine farbliche Aufschlüsselung machen das Buch sehr übersichtlich und der Erntekalender im ausklappbaren Buchumschlag liefert Daten zur wichtigsten Mundräubersaison auf einen Blick.

Den Herausgebern des Buches liegt es am Herzen, insbesondere die Stadtbevölkerung für die Essbar- und Nutzbarkeit ihres Lebensraums zu sensibilisieren. Klischees wie „In der Stadt sind Abgase, hier kann man nichts ernten“ werden in das richtige Licht gerückt und den fleißigen Sammlern werden Tipps zum richtigen Mundräubern in der Stadt mit auf den Weg gegeben. Dabei schwingt stets die Vision der sogenannten „essbaren Stadt“ mit, ein Konzept, dass 2008 erstmals umgesetzt wurde und seitdem weltweit begeisterte Mitstreiter gefunden hat. Dazu findet man jede Menge Anregungen im Buch: Was ist Urban Gardening? Wie baue ich Samenbomben? Wie verbreite ich Obstbäume? – Nur einige Ideen in „Geh raus! Deine Stadt ist essbar“.

Fazit: Sehr informativ! Eine Übersicht, die zeigt, dass man nicht in die Ferne zu exotischen Superfoods schweifen muss, um tolle Vitaminquellen aus der Natur in Bioqualität aufzutun. Das Mundräubern, auch mit Hilfe des Buches, verbraucht 0 % CO2, verhindert (Plastik)Verpackungsmüll und ist eine einkommensunabhängige Bereicherung für alle Menschen.

smarticular Verlag (Hrsg.):
Geh raus! Deine Stadt ist essbar –
36 gesunde Pflanzen vor deiner Haustür und über 100 Rezepte, die Geld sparen und glücklich machen
Berlin 2017
broschiertes Taschenbuch, 192 S.
ISBN: 978-3-946658-06-1
14,95 €
Hier könnt ihr das Buch bestellen!