Müllstrudel der Meere –
Plastikmüll-Hotspots der Welt

Wenn in den Medien von „Hotspots“ die Rede ist, denken wir gleich an Corona und 7-Tage-Inzidenzen. Doch wir möchten euch heute einmal wieder an ein schlimmes Thema erinnern, das in Zeiten der Pandemie leider in den Hintergrund geraten ist und nach wie vor eine scharf tickende Umweltzeitbombe ist. Gemeint sind die 5 großen Müllstrudel der Ozeane, wahre Plastikmüll-Hotspots. Sie werden immer größer, jeden Tag. Was aber sind die Müllstrudel der Meere und was kann man gegen sie (überhaupt noch) tun?

Was sind Müllstrudel?

Mittlerweile hat wohl jeder von ihnen gehört, den fünf großen Müllstrudeln der Meere. Das sind weder Monster noch schwarze Löcher, sondern schlicht und ergreifend riesige Müllteppiche, vor allem aus Plastikabfällen. Durch das globale Windsystem entstehen in den Weltmeeren bestimmte, sich gegenseitig beeinflussende Strömungen, die auch Meeresdriftströmungswirbel genannt werden. Auch beeinflussen Gezeiten, Wellen, Salzgehalt, Wassertemperatur etc. das komplizierte System der Driftströmungen. In erster Linie ist die Wasseroberfläche betroffen, aber auch bis in eine Tiefe von 200 oder sogar 400 Metern können sich diese Strömungen auswirken.

Der Müll, der sich in den Meeren befindet, gerät nun zwangsläufig in das Strömungssystem hinein. Er treibt zum Mittelpunkt der Strömungen und beginnt, sich anzusammeln. Riesige Inseln von Müll entstehen im Zentrum, schwimmende Müllteppiche. Mittlerweile sind 5 große Müllstrudel bekannt. Der größte, der auch den traurigen Beinamen „Great Pacific Garbage Patch“ trägt, rotiert im Nordpazifik und wird auf eine Größe von 1,6 Millionen km² geschätzt – das entspricht einer Größe von Mitteleuropa. Die anderen 4 Müllstrudel sind etwas kleiner. Es handelt sich um den Südpazifischen, den Nord- und Südatlantischen sowie den Indischen Müllstrudel. Forscher befürchten, dass sich, wenn sich die Situation nicht schnell verbessert, in den nächsten Jahren weitere Müllstrudel herausbilden könnten. So betrachten sie beispielsweise mit Sorge die Barentssee, in der sich Entwicklungen hin zu einem 6. Müllstrudel abzeichnen.

Wer sich die Plastikverschmutzung unserer Erde genauer anschauen möchte, für den hat der WWF im letzten Jahr eine tolle, interaktive Karte entwickelt. Der Global Plastic Navigator zeigt Plastikbelastung, falsche Entsorgung, Verschmutzung durch Flüsse, Meeresströmungen, Müllstrudel und mehr auf einen Blick.

Unmengen an Müll im Meer

Die Mengen an Müll, die sich im Meer befinden, sind schon jetzt unvorstellbar – und täglich wachsen sie weiter. Der mit Abstand größte Teil ist Plastik. Schätzungen zufolge, die sehr schwierig sind, wandern jedes Jahr zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen neuer Plastikmüll ins Meer. Handelt es sich um größere Gegenstände, wie Tüten oder Flaschen, schwimmen sie zunächst eine Weile in den Müllstrudeln an der Oberfläche. Doch mit der Zeit beginnen sie bis auf den Meeresboden abzusinken. Das passiert mit etwa 94 % des Kunststoffes. Er zersetzt sich dann am Meeresboden kaum noch und bleibt hier stattdessen für Jahrhunderte liegen. Schätzungen zufolge befinden sich daher bereits jetzt schon 70 kg Plastik auf jedem Quadratkilometer Meeresboden.

Der Müll, der nicht direkt absinkt, wird von Sonne, Wasser und Wind immer weiter zersetzt, sodass er zu Kleinstteilchen wird. Dieses Mikroplastik belastet nach und nach das gesamte Meereswasser.

Woher kommt der Müll?

Vergleicht man die Länder, die selber Plastik herstellen mit den Ländern, die für die größte Müllmenge im Meer verantwortlich sind, ergibt sich ein erstaunliches Bild: Nordamerika und Europa, die etwa 50 % des weltweiten Plastiks herstellen, sind nur für 2 % des Plastikmülls in den Meeren verantwortlich. Rund 80 % des Plastikmülls in den Ozeanen stammt aus südostasiatischen Entwicklungsländern, und auch afrikanische Entwicklungsländer tragen stark zur Vermüllung der Meere bei. China, Indonesien, Vietnam, Thailand und die Phillipinen sind die weltweit größten Verursacher. Die Gründe sind schnell gefunden: Diese Länder haben kaum funktionierende Recycling-Systeme und in der größtenteils armen Bevölkerung herrscht Bildungs- und Aufklärungsmangel. Dadurch entsteht ein sehr unbewusster Umgang mit Ressourcen und Müll. Durch falsche Entsorgung oder schlichtes Werfen von Müll in die Umwelt, gelangt der Müll in die Flüsse, die ihn bis in die Meere tragen. So sind Flüsse die unfreiwilligen Überbringer der Hälfte des Mülls in die Meere. Und dabei sind nur etwa 10 große Flüsse für 90 % dieses Mülls verantwortlich, 8 asiatische und 2 afrikanische. Der traurige Spitzenreiter ist der chinesische Janktsekiang.

Aber nicht nur Flüsse tragen zu einer wahren Müllflut im Meer bei. Zwischen 30 % und 50 % des Plastiks im Meer besteht aus alten Fischernetzen, sogenannten Geisternetzen. Sie treiben umher, sinken schließlich auf den Meeresboden und liegen hier etwa 600 Jahre, da sie aus stabilem Nylon bestehen. Schätzungen zufolge landen jedes Jahr 25.000 Geisternetze in den Meeren.

Natürlich gibt es Unglücke wie Ladungsverluste von Schiffen oder Naturkatastrophen wie Tsunamis, die Plastik in großen Mengen in die Ozeane einbringen. Aber deutlich gravierender ist die Verschmutzung durch Mikroplastik, dass durch ganz alltägliche Vorgänge entsteht und in den Kreislauf gerät. Allen voran ist Reifenabrieb und auch Kunstrasen ein großer Produzent von Mikroplastik. Aber selbst durch Abwasser von Waschmaschinen und Abrieb von Plastikschuhsohlen kommen riesige Mengen Mikroplastik zusammen.

Gefahren von Plastik im Meer

Ist Plastik erst einmal im Meer angelangt, bleibt es in der Regel dort. Größere, umherschwimmende Plastikteile und Geisternetze bergen immense Gefahren für Meerestiere und Seevögel. Zum einen verfangen sie sich in ihnen, können sich nicht mehr befreien und verenden qualvoll. Oder die Teile werden zum anderen mit Nahrung verwechselt, wodurch die Tiere ebenfalls langsam sterben. So fallen den Plastikteilen und Netzen jährlich etwa 100.000 Meeressäuger und 1 Million Seevögel weltweit zum Opfer.

Wenn sich das Plastik in Mikroplastik zersetzt hat, wird es von kleinen Tieren aufgenommen und kann in deren Organismus verbleiben. So wurden bereits in Miesmuscheln Entzündungsreaktionen durch eingelagertes Plastik festgestellt. Besonders kritisch wird die Lage, weil viele Kunststoffe dazu neigen, Schadstoffe aus dem Wasser aufzunehmen. Diese reichern sich an und gelangen über kleine Lebewesen in die große Nahrungskette, an deren Ende der (nicht vegan lebende) Mensch steht. Was diese giftigen Rückstände im Körper von Menschen verursachen, ist noch nicht erforscht, lässt aber natürlich nichts Gutes vermuten.

Eine große Aufgabe braucht viele helfende Hände

Auch wenn die Meeresverschmutzung durch Plastik kaum zu bewältigend scheint, kann doch jeder Einzelne dazu beitragen, die Situation zu verbessern. An allererster Stelle steht natürlich der bewusste Konsum. Nachhaltige Produkte und der Verzicht auf Plastik, wann immer dies möglich ist, reduzieren den persönlichen Müllberg schon enorm. Neben diesen präventiven Maßnahmen sollte man aber auch gegen bereits entstandene Verschmutzungen aktiv werden. So kann man Cleanup-Aktionen unterstützen, z. B. den jährlichen International Coastal Cleanup Day am 25. September. Aber auch die Umwelt unmittelbar vor der eigenen Haustür sollte nicht vergessen werden. Ob allein, in organisierten Gruppen oder gar in Verbindung mit einer Umweltsportarten wie Plogging (beim Joggen Müll sammeln) – viel Plastik liegt herum, das in Gewässer und darüber ins Meer geraten könnte.

Daneben gibt es viele technische Entwicklungen, die zukünftig dazu beitragen könnten, die Meere von Plastikmüll zu befreien. Beispiele sind das Müllsammelschiff Seekuh oder das System The Ocean Cleanup, das Müll von der Meeresoberfläche abfischt. Auch von rechtlicher Seite gibt es Entwicklungen, die die Meere mehr schützen sollen. Bereits seit den 1980er ist es verboten, Müll über Bord zu entsorgen und zumindest in der EU ist ab 2021 der Handel mit bestimmten Einwegplastikartikeln, wie Strohhälmen und Plastikgeschirr, verboten. Das klingt zwar gut, doch die Zeit läuft und die Mühlen der Bürokratie mahlen zu langsam. Vor allem fehlen weitreichende Maßnahmen in den Hauptverursacherländern. Denn jeden Tag wandern viele neue Tonnen Plastik in die Meere…

 

Quellen:

https://www.plastikalternative.de/muellstrudel-im-meer/
https://www.careelite.de/muellstrudel-im-meer/#herkunft
https://de.wikipedia.org/wiki/Plastikm%C3%BCll_in_den_Ozeanen#

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