Berlin: Die neue Party-Droge Kakao

Liest man die Berichte, die seit einigen Wochen durch die Presse geistern, hält man es zuerst für einen PR-Gag: In Berlin ist Kakao als neue Party-Droge entdeckt worden! Dass es kein Scherz ist, wird spätestens klar, wenn man auf die Veranstaltungsreihe Lucid stößt. Hier gibt es statt Alkohol Kakao. Sehr ungewöhnlich! Was hat es damit auf sich, warum kann Kakao eine Party-Droge sein?

Geheimparty mit Spezialkonzept

Seit vergangenem Oktober heißt es einmal monatlich für alle Party-Verrückten in Berlin, Umgebung oder von weiter her aufpassen, Mails checken und den Ort des nächsten Sonntags-Gatherings von Lucid in Erfahrung bringen. Der Ort ist immer ein anderer in oder um Berlin herum, der nur Interessierten verraten wird. Eine mysteriöse Atmosphäre, die diese Party umgibt. Aber es kommt noch besser. Alkohohl und Drogen sind hier tabu, die Tanzwütigen halten sich mit Roh-Kakao in Stimmung und tanzen damit ebenso lange ab wie die Besucher der Standard-Partys. Das ganze Event, das übrigens szenenübergreifend Leute ansprechen soll (Electro, House, Hip-Hop, Funk,…) und viele DJs und Live-Acts im Programm hat, verfolgt ein vorrangig gesundheitsorientiertes Konzept, die Macher sprechen von „hochschwingender Medizin“. Neben Kakao stehen weitere Highlight auf der Karte, von Super-Food Smoothies und veganen Spezereien bis hin zu Kräutermischungen.

Partys sollen der Gesundheit und dem Wohlbefinden dienen und nicht wie unter Alkohol- und Drogeneinfluss die Sinne vernebeln und ungesunde Abhängigkeiten forcieren. Mit diesem Grundgedanken sind die Macher von Lucid ganz auf der Schiene des sogenannten „Conscious Dance Movement“, das, aus dem Untergrund kommend, bereits weltweit zwischen New York und London Partys dieser Art inspiriert hat.

Geworfen oder geschnupft – die Wirkungen von Kakao

Bei Lucid kommt Kakao ausschließlich raw zum Einsatz. In unverarbeiteter Form enthält er noch viel höhere Konzentrationen der Superstoffe, die die stimmungshebenden Effekte auslösen. Wie das American Journal of Clinical Nutrition berichtet, beschleunigen Flavonole im Kakao den Blutkreislauf und schärfen die Wahrnehmung. Ein Grund zum Einsatz des Genussmittels bei Lucid, da das musikalische Erlebnis beim Konsum laut Veranstalter erweitert werde. Daneben werden Endorphine ausgeschüttet, die Glücksgefühle auslösen. Der hohe Magnesiumgehalt wirkt darüber hinaus entspannend für den gesamten Körper.

Von Seiten der Forschung her ist die Wirkung von Kakao als Droge umstritten. Einige Wissenschaftler weisen dem Genussmittel, das bei den alten südamerikanischen Hochkulturen einen religiös-rituellen Stellenwert hatte, vom Erlebnis her durchaus drogenähnliche Eigenschaften zu. Andere Forscher halten die enthaltenen Wirkstoffmengen im Kakao für zu gering und vermuten eher einen Placebo-Effekt bei den Konsumenten.

Ob man nun daran glaubt oder nicht – bei Lucid gehört Roh-Kakao zum bewusstseinserweiternden Konzept und wird entweder in Pillen- oder Getränkform – in verschieden Geschmacksrichtungen – konsumiert. Für noch mehr Drogen-Assoziation gibt es den berühmten Chocolate-Shooter des belgischen Star-Chocolatiers Dominique Persoone. Die Schnupfmaschine katapultiert spezielles Kakao-Schnupfpulver unterschiedlicher Geschmacksrichtungen direkt in die Nase – mit Sicherheit ein spezielles Erlebnis!