Serie: Was nascht man eigentlich in… Finnland?

Wir schauen über den Tellerrand. Süßigkeitenmäßig und serienmäßig. Was ist in anderen Ländern so alles Süßes los und was sind die landestypischen Spezialitäten? Und was uns natürlich brennend interessiert: Gibt es auch vegane Süßigkeiten? Heute starten wir mit unserem europäischen Nachbarn im hohen Norden: Finnland. Spontane Süßwarenassoziation…. vielleicht Lakritz? Wir schauen mal rein.

Finnland und die Süßigkeiten

Finnland – das ist Sauna, das sind Rentiere, das sind Polarlichter. Soweit die Klischees. Nur etwa 5,5 Millionen Menschen leben in diesem sehr dünn besiedelten Land, das beinahe die Fläche von Deutschland besitzt.
Wer nun denkt, hier geht süßigkeitentechnisch sicherlich nicht viel, ist allerdings auf dem Holzweg. Zwar sind die Finnen in puncto Süßigkeitenkonsum pro Kopf keine Spitzenreiter – zum Vergleich im Bereich Schokolade: Während die Finnen in den 2000er Jahren bisher immer um die 7 kg Schokolade im Jahr naschten, dürfen es in Deutschland gerne mal dicke 2 kg mehr sein. Die Finnen sind eher für ihren berühmtberüchtigten Kaffeekonsum bekannt, der in Europa alle anderen Länder in den Schatten stellt. Aber die Bandbreite an heimischen Spezialitäten auf dem süßen Sektor kann sich dennoch sehen lassen und der Konsum ist auch nicht geringfügig. Im Gegenteil: Nach knapp 10 Jahren Steuerfreiheit entschloss sich die Finnische Regierung, 2010 wieder eine gesonderte Steuer für Süßwaren einzuführen. Neben den zusätzlichen Einnahmen sollte so die Bevölkerung zum mäßigeren Umgang mit Zucker erzogen werden. Eine Verdoppelung des jährlichen Süßwarenkonsums auf 14 kg pro Kopf in 20 Jahren und eine Verdreifachung der Übergewichtigen in 30 Jahren sollte durch die gezielte Besteuerung bekämpft werden. Als problematisch erwies sich dabei aber, dass diverse Produkte, wie z. B. Kuchen, unlogischerweise nicht besteuert wurden und auch alternative Süßungsmittel, wie etwa der Birkenzucker Xylit, nicht unter das Gesetzt fielen. Die Xylit-Frage brachte die Süßwarensteuer dann schließlich auch von Seiten der EU wegen ungerechter Wettbewerbsbedingungen wieder zum Kippen. Daher darf seit 2017 nun wieder günstiger in Finnland genascht werden und die Süßwarensteuer verschwand in der Schublade der kuriosen politischen Ideen.

Finnische Schokolade

Wer nach Schokolade sucht, kommt in Finnland nicht an der Marke Fazer vorbei. Die hierzulande eher unbekannte Schokolade in der klassischen, blauen Verpackung mit Goldschrift ist DAS Schokoladen-Aushängeschild Finnlands und in ganz Skandinavien, im Baltikum, in Russland, Polen und sogar Großbritannien beliebt. Die erste Schokolade des eingewanderten Schweizer Chocolatiers Karl Fazer ging 1922 über die Ladentheke in Helsinki und ist seitdem nationales Kulturgut der Finnen.

Lakritz und Co.

Nicht weniger bedeutsam als Fazer-Schokolade ist die zweite, große finnische Süßigkeitenerfolgsstory, die ebenfalls im selben Hause ihren Anfang nahm: Salmiakki, die unverzichtbaren Salmiakpastillen, born in 1939. Daneben gibt es viele weitere Varianten und Hersteller von Lakritsi, die in Finnland gerne stark und sehr salzig sein dürfen und sich überhaupt sehr großer Beliebtheit erfreuen.
Nicht zuletzt ist der Finne auch immer für ein gutes Bonbon zu haben. Kostprobe: Marianne-Bonbons, traditionell mit Minzgeschmack und Schokofüllung. Hersteller: natürlich Süßwaren-Mogul Fazer, Helsinki.

Backwaren und traditionelle Spezialitäten 

Wenn in Finnland so gerne Kaffee getrunken wird, gehört natürlich auch etwas Süßes dazu. Daher ist das Kuchen- und Backwarenangebot auch sehr groß und es gibt diverse Klassiker. Beispiele: Blaubeerkuchen (Mustikkapiirakka), Hefeteiggebäck (Pulla) – hier besonders der Klassiker Korvapuusti (dt. „Ohrfeigen“), traditionelle Zimtbrötchen –, Runeberg-Törtchen (Mandeltörtchen), Leipäjusto (finnische Käsekuchenvariante mit „Quietschkäse“) oder Mämmi (traditionelle Fastenspeise in Form eines gebackenen Malzpuddings). Die Liste der beliebten Backwaren kann noch lange fortgesetzt werden, hinzu kommen opulente Torten, z. B. zum Geburtstag, gerne mit Beeren, viel Sahne, Schokolade oder Sirup. 

Vegan naschen in Finnland

Auf den ersten Blick könnte man vermuten, vegane Naschkatzen haben es schwer in Finnland. Doch der Schein trügt mal wieder. Süßigkeitenabteilungen sind in finnischen Supermärkten häufig überdimensioniert groß. Allein daher ist die Chance groß, etwas Veganes darunter zu finden. Darüber hinaus sind viele der finnischen Lakritze sozusagen von Natur aus vegan. Und in einigen Märkten finden sich sogar Theken mit losen Süßwaren zum Selbst-Zusammenstellen, die mit 100 % vegan gekennzeichnet sind – cool!

Ein Vorteil, der Veganern in Finnland zugutekommt: Die Finnen lieben Milchprodukte, weshalb sehr auf Menschen mit Laktoseintoleranz Rücksicht genommen wird und viele Milchersatzprodukte im Handel zu finden sind. Veganer können sich also über eine große Auswahl an veganen Dessertspeisen wie z. B. Eis und Puddings freuen. Für alle, die vegan in Finnland unterwegs sind, empfiehlt sich ab und an ein Blick auf die Website www.vegaanituotteet.net. Hier werden alle veganen Produkte, die in finnischen Supermärkten erhältlich sind, aufgeführt. Die Produktbeschreibungen sind zwar nur auf Finnisch, aber jedes Produkt ist abgebildet und daher leicht vergleichbar. Hilfreich ist auch die finnisch-englische Vokabelliste für tierische Produkte und Bestandteile in Lebensmitteln.

Titelbild: © iStock, pawel.gaul

Quellen:
http://www.einzelhandel.de/index.php/presse/zahlenfaktengrafiken/item/126410-s%C3%BC%C3%9Fwaren-pro-kopf-verbrauch-2015
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/369477/umfrage/pro-kopf-konsum-von-schokoladewaren-in-finnland/
https://de.statista.com/infografik/8605/kaffeekonsum-pro-kopf-in-europa-und-nordamerika/