Nachhaltigeres Silvester – Verzicht auf Feuerwerk

Neben Weihnachten und Ostern gibt es wohl kaum ein Fest in Deutschland, das mehr ritualisiert ist als Silvester. Dinner for One, Feuerwerk und Bleigießen sind nur einige der Traditionen, die sich zum letzten Fest des Jahres großer Beliebtheit erfreuen. Doch wie immer gibt es auch bei spaßigen Ereignissen solche, die auf der Strecke bleiben – an Silvester vor allem die Tiere. Seit Jahren rufen Tierschutzorganisationen wie Peta dazu auf, übermäßiges Böllern an Silvester zu vermeiden. Doch warum eigentlich? Und warum schaden einige Silvesterbräuche speziell auch der Umwelt? Zum Jahresausklang verabschiedet sich der iChoc Blog mit einem kritischen Blick auf unsere zweifelhaften Traditionen und wünscht allen Leser*innen eine ruhige Festzeit sowie einen guten Start in 2018!

Böller und Raketen – Leid für Tiere

Warum schaden Feuerwerkskörper Tieren? Sie werden doch nicht beschossen. Das wäre auch noch schöner. Aber auch ohne gezielt Tiere zu attackieren, ist das alljährliche Geböller sowohl für Wild- als auch für Haustiere kaum zum Aushalten. Wildtiere, die zum Überleben auf ihre Fluchtinstinkte angewiesen sind, werden durch die Feuerwerkskörper in Panik versetzt und fliehen überstürzt, wodurch Unfälle vorprogrammiert sind. Vor allem Vögel in den Städten werden irritiert, da sie durch die aufsteigenden Raketen geblendet und gescheucht werden. Hinzu kommt der stickige Nebel, der zusätzlich die Sicht nimmt. Weil Wildtiere im Winter mit ihrer Energie besonders haushalten müssen, können die durch ein Feuerwerk verursachten Schockzustände sogar tödlich für manches Lebewesen enden.

Doch auch Tiere in Gefangenschaft, wie etwa in Zoos, oder Haustiere wissen sich beim plötzlich einsetzenden Feuerwerk nicht zu helfen und erleiden Qualen, die letzten Endes bei manchen Tieren gar psychische Störungen hinterlassen können. Insbesondere Hunde sind an Silvester häufig von großer Angst betroffen, haben sie doch ein deutlich besser ausgeprägtes Gehör als wir Menschen. Vor allem die hohen, für uns Menschen zum Teil nicht mehr wahrnehmbare Frequenzen der zischenden Raketen und sogenannten Heuler dürften Hunde an Silvester regelmäßig in den Wahnsinn treiben. Als verantwortungsvoller Haustierbesitzer sollte man an Silvester daher alles Mögliche dafür tun, damit das Tier nicht die volle Lautstärke des Feuerwerkes mitbekommt – was natürlich vielerorts kaum möglich ist. In jedem Fall sollte man aber bei seinem Tier bleiben und es nicht lange alleine lassen.

Alternativen zu Feuerwerk: Kerzen, bunte Laternen, Lagerfeuer, Kaminfeuer, Fackeln

Giftiger Qualm und Müllberge – andere Silvestersünden

Wer nun denkt, dass der Deutsche – außer in Sachen Tierschreck – ein insgesamt doch recht umweltfreundliches Silvester verlebt, der ist leider ziemlich auf dem Holzweg. Die lauten Feuerwerke sind nach kurzer Zeit verschossen und bleiben dann in aller Regel erst einmal liegen. Der Großteil davon gehört umgehend in den Hausmüll, der Rest in Plastik- und Papiermüll. Doch auch nach Wochen finden sich noch Reste, beispielsweise unter schmelzendem Schnee. Neben Müllbergen produziert ein Feuerwerk auch schlechte, feinstaubreiche Luft. Gerade bei feuchtem oder wolkigem Wetter entsteht dann sogar häufig ein regelrechter Nebel, der über lange Zeit smogartig in der Luft hängen bleibt. Doch damit noch nicht genug. Wunderkerzen werden oft als Alternative fürs Feuerwerk herangezogen, besonders gerne natürlich mit Kindern. Doch die vermeintlich harmlosen Stäbchen haben es ganz schön in sich. Seit langem ist bereits bekannt, dass das Abbrennen von Wunderkerzen ziemlich giftig ist und niemals auf Lebensmitteln wie Kuchen oder Eis geschehen sollte. Bariumnitrat heißt der Giftstoff, der mitgegessen diverse Symptome zwischen Erbrechen und Herzrhythmusstörungen hervorrufen kann. Allein schon das Einatmen des Dampfes gilt als reizend und krebserregend. Keine gute Alternative zum Feuerwerk!

Alternative zu Wunderkerzen: normale, vegane Kerzen (Tipps gibt’s bei vegpool.de)

Auch die Tradition Bleigießen ist unter vernünftigen Gesichtspunkten nicht nachvollziehbar. Das Umweltbundesamt warnt vor großen Risiken und empfiehlt den Verzicht darauf. Blei ist ein Umweltgift, das Böden, Gewässer und Luft verpesten kann und sich sehr negativ auf lebende Organismen auswirken kann. Überall wird auf Grenzwerte von Blei geachtet – und wir schmelzen es zu Silvester wie die Alchimisten einfach direkt auf dem Küchentisch. Das ist nicht nur unverantwortlich, sondern auch ziemlich gefährlich. Allein die durch das Schmelzen entstehenden Bleioxid-Dämpfe sind beim Einatmen hoch toxisch. Durch Berühren der Bleifiguren kommt das Schwermetall mit der Haut in Kontakt. Kinder, die noch häufig die Hände in den Mund stecken, nehmen das Gift dann auch noch oral auf – eine vermeidbare Gefahr für die Hochrisikogruppe Kinder, bei denen schon geringen Mengen Blei die Entwicklung von Intelligenz negativ beeinflussen können. Achtung außerdem: Blei niemals in den Hausmüll entsorgen, es handelt sich um Sondermüll!

Fazit: Nach Erhebungen des Statistik-Portals statista.com* hat sich der Umsatz mit Silvesterfeuerwerk in den letzten Jahren deutlich gesteigert. Gaben die Deutschen 2001 noch 102 Millionen Euro für Raketen und Co. aus, werden es 2017 schon rund 137 Millionen Euro sein. Tierleid, Müll und giftiger Dampf sind uns jährlich soviel Geld wert?! Das kann man kaum glauben und es bleibt zu hoffen, dass man auch hier zu dem Grundsatz „weniger ist mehr“ zurückfindet, der in den letzten Jahren doch bei vielen Menschen wieder mehr im Trend ist.

*Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/284913/umfrage/umsatz-der-deutschen-pyrotechnischen-industrie/

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